Ein Zeitschriftenartikel ist die Quelle, die in einer Bachelor- oder Masterarbeit am häufigsten vorkommt, und die, bei der die meisten Angaben automatisch entstehen: DOI kopieren, Zotero holt den Rest. Meist stimmt das. Wenn nicht, fehlt das Heft, die Seiten zeigen die Online-first-Fassung, oder der Eintrag gehört zum Preprint statt zum publizierten Artikel. Dieser Beitrag zeigt die Bestandteile, die Varianten, einen Vergleich für APA 7, deutsches Harvard, deutsche Fussnoten und Chicago, und was du vor der Abgabe prüfst.
Autor:innen, Artikel und Zeitschriften in den Beispielen sind erfunden, auch die Zeitschrift für Musterpädagogik. Die DOIs beginnen mit 10.0000/example und lösen absichtlich nicht auf.
Was ist ein Zeitschriftenartikel?
Ein Zeitschriftenartikel (Fachartikel, Journal-Artikel, Aufsatz) erscheint in einer wissenschaftlichen Zeitschrift mit Jahrgang (Band) und meist Heft. Er hat einen Seitenbereich oder eine Artikelnummer und in den meisten Fächern eine DOI. Die Zeitschrift ist das Trägermedium, kein Verlag im Buch-Sinn: Ein Verlagsort gehört nicht in die Angabe.
Davon abzugrenzen sind drei Formen, die ähnlich aussehen:
- Zeitungsartikel haben ein volles Datum statt Jahrgang und Heft und fast nie eine DOI. Wie du sie belegst, steht unter Zeitungsartikel zitieren.
- Preprints liegen auf arXiv, SSRN, bioRxiv oder einem Institutsserver und sind noch nicht in der Zeitschrift erschienen. Sie bekommen den Zusatz [Preprint] und den Server statt der Zeitschrift, siehe Preprints zitieren.
- Konferenzbeiträge erscheinen in einem Tagungsband (Proceedings). Auch dort gibt es Seiten und oft eine DOI, aber Herausgeber:innen und Bandtitel statt Zeitschrift und Heft. Die Formen stehen unter Konferenzbeiträge zitieren.
Erscheinen Proceedings als Heft einer Zeitschrift, zitierst du sie wie einen Zeitschriftenartikel. Massgeblich ist, wo der Text tatsächlich veröffentlicht ist, nicht, wie er entstanden ist.
Die Bestandteile eines Zeitschriftenartikels
Ein vollständiger Eintrag braucht sieben Angaben. Die Reihenfolge und die Satzzeichen wechseln je nach Stil, der Inhalt nicht.
- Autor:innen in der Reihenfolge des Artikels. Nicht alphabetisch umsortieren, die Reihenfolge ist Teil der Angabe.
- Jahr der Veröffentlichung, bei Online-first das Jahr der Vorabfassung (siehe unten).
- Artikeltitel in normaler Schrift, ohne Anführungszeichen in APA. Untertitel nach Doppelpunkt.
- Name der Zeitschrift kursiv und ausgeschrieben, nicht als Kürzel, ausser dein Fach (etwa Medizin) verlangt Kürzel.
- Jahrgang(Heft): In APA 7 ist der Jahrgang kursiv, das Heft steht ohne Leerzeichen und nicht kursiv in Klammern, also 12(3).
- Seitenbereich mit Halbgeviertstrich (45–67) oder eine Artikelnummer, wenn die Zeitschrift keine Seiten vergibt.
- DOI als Link:
https://doi.org/10.0000/example.2024.003. Nicht «doi:», nicht «DOI:», keine Verlags-URL, wenn es eine DOI gibt.
Was ein DOI ist und wie er sich von ISSN und ISBN unterscheidet, steht unter DOI, ISBN und ISSN in der Quellenangabe. Die ISSN der Zeitschrift gehört in keinen der gängigen Stile ins Literaturverzeichnis.
Der Grundfall in APA 7, auf Deutsch:
Muster, A., Beispiel, B., & Probst, C. (2024). Lernzeit und Selbststeuerung im Bachelorstudium. Zeitschrift für Musterpädagogik, 12(3), 45–67. https://doi.org/10.0000/example.2024.003
Im Text: (Muster et al., 2024). Ab drei Autor:innen steht in APA 7 schon bei der ersten Nennung «et al.». Im Literaturverzeichnis stehen alle Namen bis zwanzig.
Varianten, die in fast jeder Arbeit vorkommen
Online-first und «im Druck»
Viele Zeitschriften stellen Artikel online, bevor Jahrgang, Heft und Seiten feststehen. APA 7 nennt das Advance online publication. Du nimmst das Jahr der Vorabfassung und setzt anstelle von Jahrgang, Heft und Seiten den Hinweis. Deutschsprachige APA-Leitfäden übersetzen ihn teils mit «Vorab-Onlinepublikation»; halte dich an deinen Leitfaden.
Beispiel, B., & Muster, A. (2026). Feedbackschleifen in Schreibzentren. Zeitschrift für Musterpädagogik. Advance online publication. https://doi.org/10.0000/example.2026.017
Ist der Artikel angenommen, aber noch gar nicht online, steht «im Druck» (in press) statt des Jahres, im Text (Beispiel, im Druck). Prüfe solche Einträge kurz vor der Abgabe noch einmal. Ist das Heft inzwischen erschienen, ergänzt du Jahrgang, Heft und Seiten und passt das Jahr an.
Artikelnummer statt Seiten
Viele Open-Access-Zeitschriften vergeben keine fortlaufenden Seiten, sondern eine Artikelnummer. APA 7 schreibt dann «Article» und die Nummer an die Stelle des Seitenbereichs, auf Deutsch meist «Artikel»:
Probst, C. (2025). Lesetagebücher in der Lehrerbildung. Journal of Example Studies, 8, Artikel 104. https://doi.org/10.0000/example.2025.104
Die Seiten 1–14 des PDFs sind kein Seitenbereich der Zeitschrift. Sie gehören nicht ins Verzeichnis, für eine wörtliche Stelle im Text darfst du sie aber nennen (siehe unten).
Ohne DOI: URL oder Datenbank
Nicht jeder Artikel hat eine DOI, vor allem ältere und kleinere deutschsprachige Zeitschriften nicht. Zuerst nachsehen: auf der Artikelseite des Verlags oder per Titelsuche bei Crossref. Gibt es wirklich keine, gilt in APA 7:
- Aus einer Hochschuldatenbank (EBSCO, ProQuest, JSTOR, Wiso): wie die Printausgabe, ohne Datenbanknamen und ohne Link. Ein Datenbank-Link funktioniert nur mit deinem Login.
- Frei auf der Website der Zeitschrift: die URL der Artikelseite anhängen.
Muster, A. (2019). Seminararbeiten im Wandel. Zeitschrift für Musterpädagogik, 7(1), 12–29. https://journal.example.org/zfm/article/view/412
Deutsches Harvard und manche Fussnotenleitfäden wollen bei jeder URL ein Abrufdatum. APA 7 verlangt es bei Zeitschriftenartikeln nicht.
Mehr als 20 Autor:innen in APA
In Medizin, Physik oder grossen Kooperationsstudien hat ein Artikel schnell 30 oder 300 Namen. APA 7 nennt bis zu 20 Autor:innen vollständig. Ab 21 stehen die ersten 19, dann drei Punkte ohne «&», dann die letzte Person:
Muster, A., Beispiel, B., Probst, C., … Zeller, Z. (2025). Titel des Artikels. Journal of Example Studies, 9(2), 101–118. https://doi.org/10.0000/example.2025.201
Im Beispiel sind die Namen vier bis neunzehn aus Platzgründen weggelassen, in deiner Arbeit schreibst du sie aus. Im Text bleibt es bei (Muster et al., 2025). Steht eine Gruppe als Autorin im Artikel, etwa ein Konsortium, übernimmst du den Gruppennamen.
Sonderhefte
Einen Artikel aus einem Sonderheft (Themenheft) zitierst du wie jeden anderen Artikel. Der Titel des Sonderhefts gehört nicht in den Eintrag.
Zitierst du das ganze Sonderheft, stehen die Gastherausgeber:innen an der Autorposition, der Titel des Hefts in normaler Schrift und der Zusatz in eckigen Klammern. Ein Seitenbereich entfällt:
Beispiel, B., & Probst, C. (Hrsg.). (2025). Schreiben mit KI-Werkzeugen [Sonderheft]. Zeitschrift für Musterpädagogik, 13(2). https://doi.org/10.0000/example.2025.si2
Englischsprachige APA-Quellen schreiben «(Eds.)» und «[Special issue]».
Preprint oder publizierte Version
Viele Artikel sind zuerst als Preprint erschienen, und Google Scholar zeigt oft beide Fassungen nebeneinander. Gibt es die publizierte Version, zitierst du sie. Sie ist begutachtet, und zwischen Preprint und Heft ändern sich manchmal Zahlen, Formulierungen und Seiten.
Hast du nur den Preprint gelesen, öffnest du die publizierte Fassung und suchst die Stelle dort. Steht sie gleich da, stellst du den Eintrag um. Hat sie sich geändert, zitierst du, was publiziert ist. Den Preprint zitierst du nur, wenn es keine Zeitschriftenfassung gibt oder du gerade den Unterschied zwischen den Fassungen untersuchst.
Vergleich: APA 7, Harvard, Fussnoten und Chicago
Derselbe erfundene Artikel mit zwei Autor:innen, wörtlich zitiert von Seite 52:
| Stil | Literaturverzeichnis | Im Text oder in der Fussnote |
|---|---|---|
| APA 7 (deutsch) | Muster, A., & Beispiel, B. (2024). Lernzeit und Selbststeuerung im Bachelorstudium. Zeitschrift für Musterpädagogik, 12(3), 45–67. https://doi.org/10.0000/example.2024.003 | (Muster & Beispiel, 2024, S. 52) |
| Deutsches Harvard | Muster, Anna/Beispiel, Ben (2024): Lernzeit und Selbststeuerung im Bachelorstudium. In: Zeitschrift für Musterpädagogik, 12 (3), S. 45–67. DOI: https://doi.org/10.0000/example.2024.003 | (Muster/Beispiel 2024, S. 52) |
| Deutsche Fussnoten | Muster, Anna/Beispiel, Ben: Lernzeit und Selbststeuerung im Bachelorstudium, in: Zeitschrift für Musterpädagogik 12 (2024), H. 3, S. 45–67. | ¹ Muster/Beispiel: Lernzeit, S. 52. |
| Chicago (Fussnoten) | Muster, Anna, und Ben Beispiel. „Lernzeit und Selbststeuerung im Bachelorstudium.“ Zeitschrift für Musterpädagogik 12, Nr. 3 (2024): 45–67. https://doi.org/10.0000/example.2024.003. | ¹ Anna Muster und Ben Beispiel, „Lernzeit und Selbststeuerung im Bachelorstudium“, Zeitschrift für Musterpädagogik 12, Nr. 3 (2024): 52, https://doi.org/10.0000/example.2024.003. |
Deutsches Harvard und deutsche Fussnoten sind keine festen Normen. Schrägstrich oder Semikolon zwischen den Namen, «In:» oder «in:», «H. 3» oder «(3)» legt dein Institut fest. In vielen Fussnotenleitfäden ist die erste Fussnote vollständig und jede weitere ein Kurzbeleg wie oben. Welche Familie dein Fach nutzt, klären Harvard-Zitierweise, Fussnoten oder Klammerzitate und der Zitierstile-Vergleich. Die APA-Grundregeln stehen in der APA-7-Anleitung.
In-Text-Zitate mit Seiten- oder Absatzangabe
Bei einer sinngemässen Wiedergabe des ganzen Artikels reichen in APA 7 Autor:innen und Jahr. Eine Seite ist dort empfohlen, wenn du dich auf eine bestimmte Stelle beziehst, und Pflicht bei jedem wörtlichen Zitat:
- Mit Seiten: (Muster & Beispiel, 2024, S. 52) oder über zwei Seiten (S. 52–53).
- Mit Artikelnummer: Ist das PDF selbst nummeriert, nennst du diese Seite: (Probst, 2025, S. 7). Die Artikelnummer ist keine Fundstelle.
- Ohne Seiten, etwa bei einem reinen HTML-Artikel: Abschnitt, Absatz oder beides, (Probst, 2025, Abschnitt «Diskussion», Abs. 2). Im Englischen steht «para.».
Die Seite im Text muss im Seitenbereich des Verzeichnisses liegen. «S. 3» bei einem Artikel mit Seiten 45–67 heisst fast immer, dass du die PDF-Seite statt der gedruckten Seitenzahl genommen hast. Wie lange Zitate gesetzt werden, steht unter Blockzitate.
Sauberen Eintrag per DOI holen und prüfen
Der schnellste Weg zu einem guten Eintrag ist die DOI. In Zotero klickst du auf den Zauberstab («Eintrag per Identifier hinzufügen») und fügst die DOI ein. Zotero holt die Metadaten bei Crossref oder DataCite, das ist meist besser als der Browser-Connector auf einer Verlagsseite. Weitere Abkürzungen stehen in den Zotero-Workflow-Tipps.
Danach prüfst du den Eintrag einmal gegen die erste Seite des PDFs:
- Eintragstyp ist «Zeitschriftenartikel», nicht «Webseite» oder «Dokument».
- Autor:innen vollständig, Vor- und Nachname im richtigen Feld, kein Verlag oder Redaktionsname als Person.
- Titel ohne ALL CAPS. APA verlangt im Englischen Satzschreibung; Zotero ändert die Gross- und Kleinschreibung nicht automatisch. Deutsche Titel schreibst du, wie sie im Artikel stehen.
- Zeitschrift ausgeschrieben im Feld Publikation, die Abkürzung gehört ins Feld Zeitschriften-Abkürzung.
- Jahrgang, Heft, Seiten passen zur Fassung, die du zitierst. Bei Online-first fehlen sie zu Recht, nach Erscheinen des Hefts nicht mehr.
- Datum: das Erscheinungsjahr, nicht das Datum, an dem du den Eintrag angelegt hast.
- DOI steht im Feld DOI, nicht im Feld URL und nicht doppelt. Ein DOI-Stil wie APA baut den
https://doi.org/-Link dann selbst.
Ist die Zeitschrift seriös und der Artikel noch gültig?
Ein formal perfekter Eintrag hilft nicht, wenn die Quelle nicht trägt. Zwei Prüfungen vor dem Zitieren:
Die Zeitschrift. Begutachtet die Zeitschrift ihre Artikel wirklich? Hinweise sind eine nachvollziehbare Redaktion, eine beschriebene Begutachtung und eine Indexierung in den Datenbanken deines Fachs. Wie du das erkennst, steht unter Peer Review erkennen. Zeitschriften, die gegen Gebühr fast alles veröffentlichen, beschreibt der Beitrag zu Predatory Journals.
Der Artikel. Wurde er zurückgezogen oder mit einer Korrektur versehen? Auf der Artikelseite beim Verlag steht dann ein Hinweis «Retracted» oder «Expression of Concern». Zotero markiert zurückgezogene Einträge in deiner Bibliothek anhand der Retraction-Watch-Daten. Wie du einen Eintrag prüfst und was du mit einem zurückgezogenen Artikel machst, steht auf der Seite Retraktion prüfen. Als Beleg für ein Ergebnis taugt er nicht mehr.
Häufige Fehler
PDF-Seite statt Zeitschriftenseite. «S. 3» bei einem Artikel auf S. 45–67.
Die DOI als Text oder doppelt. «doi:10.0000/…» und darunter noch die Verlags-URL. Ein Link https://doi.org/… reicht.
Eine fremde DOI. Kopiert von einem anderen Artikel derselben Zeitschrift oder von einer früheren Fassung. Jede DOI einmal anklicken, sie muss genau auf diesen Artikel führen.
Heft vergessen oder erfunden. Hat die Zeitschrift Hefte, gehört das Heft dazu. Hat sie keine, erfindest du keins.
Zeitschrift abgekürzt, wo der Stil ausschreiben will. «Z. Musterpäd.» ist kein APA.
Online-first-Eintrag nie aktualisiert. Kurz vor der Abgabe ist das Heft meist erschienen.
Preprint statt Artikel. Gibt es die publizierte Fassung, gehört sie ins Verzeichnis.
Datenbank-Link als Quelle. Ein EBSCO- oder ProQuest-Link funktioniert nur mit deinem Login.
Checkliste vor der Abgabe
- Jeder Zeitschriftenartikel hat Autor:innen, Jahr, Titel, Zeitschrift, Jahrgang(Heft) und Seiten oder Artikelnummer.
- Jede DOI als
https://doi.org/…und einmal angeklickt: Sie führt auf genau diesen Artikel. - Ohne DOI: Datenbankartikel wie Print, frei zugängliche Artikel mit URL der Zeitschrift.
- Online-first- und Im-Druck-Einträge auf das erschienene Heft geprüft.
- Publizierte Fassung statt Preprint, wo es sie gibt.
- Seitenangaben im Text liegen im Seitenbereich des Verzeichnisses.
- Zeitschrift begutachtet, Artikel nicht zurückgezogen.
Beispiel ansehen: Wie ein Check Einträge mit fehlender DOI, falschem Heft oder unpassenden Seiten markiert, zeigt ein vorgefülltes Beispiel. Beispiel-Zitat prüfen →
Ob der Satz in deiner Arbeit wirklich im zitierten Artikel steht, prüft Acurio, wenn du die Arbeit und die PDFs der Artikel hochlädst. Es gleicht jede Aussage mit der Stelle ab, auf die du verweist. Ob dein Lehrstuhl die Zeitschrift als Quelle akzeptiert, entscheidet das Werkzeug nicht.