Wer Abschlussarbeiten betreut, hört die Frage inzwischen oft: Was kann ein Werkzeug wie Acurio, was Elicit, Perplexity oder SciSpace nicht schon können? Und wozu überhaupt, wenn die Hochschule ohnehin Turnitin empfiehlt?
Beide Fragen sind berechtigt. Die kurze Antwort: Diese Werkzeuge beantworten verschiedene Fragen, und nur eine davon stellen Sie beim Bewerten. Trägt die zitierte Quelle die Aussage, die in der Arbeit steht?
Vier Werkzeuge, vier Fragen
| Frage | Werkzeug | Wer es nutzt |
|---|---|---|
| Ist Text kopiert? | Turnitin Similarity | Dozierende nach der Abgabe, teils auch Studierende |
| Welche Literatur gibt es zu meiner Frage? | Elicit, Perplexity, Consensus | Studierende, beim Schreiben |
| Stimmen die Belege in meinem Entwurf? | SciSpace Citation Verifier | Autorinnen und Autoren, vor dem Einreichen |
| Tragen die Quellen die Aussagen der abgegebenen Arbeit? | Acurio | Dozierende bei der Abgabe, Studierende vorher |
Am deutlichsten wird der Unterschied an einem einzigen Satz. Angenommen, in einer Bachelorarbeit steht:
Digitale Lehre verbessert den Lernerfolg grundsätzlich um 40 % (Meyer, 2023, S. 24).
Bei Meyer auf Seite 24 steht aber: „In der tutoriell begleiteten Teilgruppe stieg der Lernerfolg um 40 %. Für die Gesamtgruppe zeigte sich kein signifikanter Unterschied.“ Die Quelle gibt es, die Seitenzahl stimmt, die 40 % stehen dort. Nur die Aussage stimmt nicht. Meyer (2023) ist ein fiktives Beispiel, dasselbe wie auf unserer Seite für Hochschulen.
Was sagen die vier Werkzeuge zu diesem Satz?
Turnitin Similarity findet kopierten Text
Turnitin Similarity vergleicht den Wortlaut einer Arbeit mit Texten aus dem Internet, mit lizenzierter Fachliteratur und mit früher eingereichten Arbeiten. An der Universität Zürich ist es seit Oktober 2022 die offizielle Plagiatsprüfung, und die UZH rät von anderen Plagiatswerkzeugen ab. Für diese Aufgabe ist es das richtige Werkzeug. Den Prüfbericht nennt die UZH selbst „lediglich ein Indiz“, das niemand ungeprüft übernehmen soll.
Unser Satz ist eigener Wortlaut. Turnitin findet keine Übereinstimmung, der Satz bleibt unauffällig. Dasselbe gilt für eine frei erfundene Quelle: Ein erfundenes Zitat ist originaler Text, und originalen Text beanstandet eine Plagiatsprüfung nicht. Warum das der teurere Fehler ist, beschreibt der Beitrag Plagiat vs. Falschzitat.
Seit 2025 bietet Turnitin mit Clarity zusätzlich eine Zitierprüfung für Studierende an. Sie meldet Formatfehler, Abweichungen zwischen Zitaten und Literaturverzeichnis und fehlende Zitate, derzeit nur auf Englisch. Ob Meyer auf Seite 24 sagt, was die Arbeit ihm zuschreibt, prüft auch sie nicht.
Elicit, Perplexity und Consensus helfen beim Schreiben
Elicit durchsucht wissenschaftliche Datenbanken zu einer Forschungsfrage und zieht Angaben aus den gefundenen Papers in eine Tabelle. Perplexity beantwortet Fragen mit Quellenangaben, im Modus Academic aus wissenschaftlichen Datenbanken. Consensus zeigt, wie sich Studien zu einer Ja-Nein-Frage verteilen. Alle drei stehen auf der Seite der Schreibenden: Sie helfen, Literatur zu finden und zu verstehen. Wie sie sich untereinander unterscheiden, steht im Vergleich der KI-Recherche-Tools.
Von dort kommen auch die Ranglisten der „besten KI-Research-Assistenten“, die gerade geteilt werden. Der Anbieter Atlas Workspace etwa hat 2026 in einem eigenen Test sieben Werkzeuge, darunter sein eigenes, mit denselben 50 Fragen an 200 Papers geprüft und gezählt, wie oft eine Antwort eine Quelle nennt, die es nicht gibt oder die das Gesagte nicht enthält. Das hilft bei der Wahl eines Recherche-Werkzeugs. Über eine abgegebene Arbeit sagt es nichts. Gemessen wird, ob das Werkzeug in seinen eigenen Antworten richtig zitiert, nicht, ob die Studierenden es tun.
Von sich aus sehen diese Werkzeuge unseren Satz nicht. Sie könnten ihn eingeben und fragen, ob Meyer (2023) das belegt. Bei 40 zitierten Werken wären das 40 Anfragen, deren Antworten Sie wieder nachprüfen müssten. Und ein Lehrbuch aus der Bibliothek lesen sie nur, wenn Sie die Seiten selbst hochladen.
SciSpace ist der nächste Verwandte
SciSpace ist vor allem als Chat mit Papers bekannt: PDF hochladen, Fragen stellen. Seit Herbst 2026 gibt es dort den Citation Verifier, und der kommt Acurio am nächsten. Er prüft, ob die Literaturangaben eines Manuskripts existieren und ihre Angaben stimmen. Im vollen Modus vergleicht er die Aussagen mit dem Quellenmaterial, das SciSpace abrufen und lesen kann, und meldet, ob eine Quelle die Aussage stützt, nur eine engere Fassung davon, nichts dazu enthält oder ihr widerspricht. Ist keine lesbare Quelle da, bleibt die Aussage als „nicht prüfbar“ offen.
Das ist dieselbe Frage, die auch Acurio stellt. Fürs Bewerten zählen zwei Unterschiede.
Wer welche Fassung prüft. Der Citation Verifier ist für Autorinnen und Autoren gebaut, die ihren eigenen Entwurf vor dem Einreichen prüfen. Prüft eine Studentin damit ihren Entwurf, wissen Sie nicht, welche Fassung mit welchen Quellen geprüft wurde. Massgeblich ist die abgegebene. Sie können den Verifier auch selbst auf jede Abgabe anwenden. Für einen ganzen Kurs heisst das: jede Arbeit einzeln hochladen und Quellen, die SciSpace nicht lesen kann, selbst beschaffen. Ob Sie Arbeiten von Studierenden bei einem Dienst hochladen dürfen, regelt ausserdem Ihre Hochschule.
Welche Quellen gelesen werden. In einer Bachelorarbeit stehen oft Lehrbücher, Sammelbände, Berichte und Artikel hinter einer Paywall. Bleiben die ungeprüft, fehlt ein guter Teil der Prüfung. Bei einer Abgabe in Acurio kann niemand abgeben, bevor jedes zitierte Werk eine Quelle hat: Was Acurio nicht frei findet, legen die Studierenden als Datei dazu, als Handyfoto der zitierten Seiten oder mit einer Begründung. Was nur begründet ist, bleibt „nicht geprüft“, und Sie sehen die Begründung.
Was Acurio beim Bewerten anders macht
Acurio setzt bei der abgegebenen Arbeit an, als PDF, Word-Datei oder LaTeX, und geht in drei Schritten vor:
- Jede Zitatstelle erfassen. Acurio erkennt Klammerzitate, Nummern und Fussnoten und die Aussage, die das Zitat belegen soll.
- Die Originalstelle finden. Acurio durchsucht die ganze Quelle, auch wenn die Seitenangabe danebenliegt.
- Begründet urteilen. Belegt, teilweise belegt oder nicht belegt, jeweils mit der Originalstelle und einer Begründung. Fehlt eine Quelle, steht an der Stelle „nicht geprüft“, nie „nicht belegt“.
Für unseren Satz heisst das: Teilweise belegt. Die Quelle nennt 40 % nur für die betreute Teilgruppe, die Arbeit verallgemeinert das auf alle. Daneben steht die Stelle von Seite 24.
Die Abgaben eines Kurses sehen Sie in einem Ordner, pro Arbeit mit der Zahl der belegten, teilweise belegten und nicht belegten Stellen. Sobald Acurio eine Arbeit geprüft hat, bekommen Sie eine Mail. Der Bericht zeigt die auffälligen Stellen zuerst, Sie lesen nur dort nach. Was Studierende vorher mit dem eigenen Konto prüfen, sehen Sie nicht, nur, was über eine Abgabe eingereicht wird.
Für Hochschulen zählt auch, wo Arbeiten landen. Die UZH hat Turnitin 2017 abgelehnt, weil es ihre Datenschutzbestimmungen nicht erfüllte, und erst 2022 eingeführt, nachdem Turnitin diese akzeptiert hatte. Acurio ist in der EU (Deutschland) gehostet, DSGVO-konform, und hochgeladene Arbeiten und Quellen trainieren kein Modell.
Für wen sich das lohnt
Wer heute nur auf Plagiat prüft, bekommt mit Acurio keine schnellere Fassung davon, sondern eine Prüfung, die bisher kaum stattfindet. Zitate nachlesen heisst heute meist: drei, vier Quellen herausgreifen und hoffen, dass die Stichprobe die richtigen trifft. Bei 40 zitierten Werken dauert eine vollständige Prüfung von Hand Stunden.
Am meisten bringt die Quellenprüfung dort, wo eine Note Folgen hat:
- bei Abschlussarbeiten und Dissertationen, deren Note zählt,
- wenn eine Bewertung angefochten werden kann: Einen Befund mit Originalstelle können Sie vorlegen, ein KI-Detektor-Score taugt dort kaum als Nachweis,
- wenn mehrere Betreuende nach demselben Massstab bewerten sollen.
Was Acurio nicht macht
- Acurio findet keinen kopierten Text. Die Plagiatsprüfung bleibt.
- Acurio rät nicht, ob ein Sprachmodell geschrieben hat. Es prüft Belege, wie im Beitrag zu KI-Schummeln an der Hochschule beschrieben.
- Ob eine Quelle für die Fragestellung taugt und ob die Argumentation trägt, beurteilen weiterhin Sie. Acurio sagt, ob die Quelle die Aussage enthält.
Fazit
Turnitin, Elicit, Perplexity und SciSpace sind gute Werkzeuge für ihre Aufgabe. Turnitin findet kopierten Text, Elicit und Perplexity helfen beim Recherchieren, und SciSpace hilft Autorinnen und Autoren, ihren Entwurf zu prüfen. Beim Bewerten fehlt die Prüfung, ob die abgegebene Arbeit ihre Quellen richtig wiedergibt. Diese Lücke schliesst Acurio, neben der Plagiatsprüfung und nicht an ihrer Stelle.
Wie das für einen ganzen Kurs aussieht, zeigt die Seite Acurio für Hochschulen. Im Pilot prüfen wir einen echten Abgabestapel Ihres Departements, ohne Vertrag: Pilot anfragen.
Quellen
- Universität Zürich, Teaching Tools: Plagiatskontrolle für Dozierende.
- Universität Zürich, Blog der Zentralen Informatik, 6.9.2022: Turnitin löst Plagscan ab.
- Turnitin: Product updates (Zitierprüfung in Turnitin Clarity).
- SciSpace: Introducing SciSpace Citation Verifier.
- Elicit: Changelog.
- Atlas Workspace: 7 Best AI Research Assistants (2026).