Ein selbst generiertes Midjourney-Bild als Titelillustration, eine DALL·E-Grafik im Methodenkapitel, ein Stable-Diffusion-Diagramm im Anhang — an vielen Lehrstühlen war das 2023 noch die Ausnahme, 2026 ist es die Regel. Und mit ihr eine Frage, die keine Stilrichtlinie so ganz sauber beantwortet: Wie zitiere ich ein Bild, das ich per Prompt erzeugt habe? Diese Anleitung zeigt, wie APA 7, Chicago und Harvard damit umgehen, was in die Bildunterschrift gehört — und wann du besser gar kein KI-Bild einbaust.
Sind KI-Bilder überhaupt zitierpflichtig?
Ja — aber nicht aus dem Grund, aus dem du eine Buchstelle zitierst. Bei einem Buch belegt das Zitat eine fremde Aussage. Bei einem KI-Bild geht es um zwei andere Dinge: Nachvollziehbarkeit (welches Werkzeug, welcher Prompt, welche Version) und Autorenschaft (du bist nicht die alleinige Schöpferin, das Modell hat mitgemacht). Beide Punkte müssen in deiner Arbeit ehrlich sichtbar sein.
Praktisch heisst das: Jedes KI-Bild braucht eine Bildunterschrift, aus der klar hervorgeht, dass es KI-generiert ist, mit welchem Tool, in welcher Version, und mit welchem Prompt. Was davon in den Fliesstext, was in die Bildunterschrift, und was in den Anhang gehört, hängt vom Zitierstil und der Prüfungsordnung deiner Hochschule ab.
Wer ist Urheber:in eines KI-Bildes?
Rechtlich ist das in Europa strittig, wissenschaftlich ist es klarer: Du bist keine alleinige Autorin. Auch nicht das Modell — Midjourney oder OpenAI beanspruchen keine Autorenschaft im wissenschaftlichen Sinn. In der akademischen Praxis hat sich durchgesetzt, das Bild als KI-generiert mit menschlicher Aufsicht zu deklarieren. Das entspricht dem Umgang, den die grossen Verlage seit 2023 verlangen: Nature, Elsevier und Springer akzeptieren keine KI-generierten Bilder in Manuskripten (mit engen Ausnahmen für dokumentierte Methoden). Für studentische Arbeiten ist die Regel weicher, aber die Deklarationspflicht bleibt.
Konkret: In der Bildunterschrift steht nicht “Eigene Darstellung”, denn das ist irreführend. Stattdessen: “Generiert mit Midjourney v6, Prompt siehe Anhang C” oder eine der Formen unten.
KI-Bilder in APA 7
APA hat im Juli 2023 eine offizielle Anleitung für generative KI publiziert (Style Blog: “How to cite ChatGPT”). Sie behandelt Text und Bild gleich: Das Modell ist der “Autor”, das Erscheinungsjahr ist das Jahr der Generierung, der Prompt gehört in den Fliesstext oder Anhang.
In-Text-Verweis
Die Abbildung wurde mit Midjourney (Midjourney, 2026) generiert.
Bildunterschrift
Abb. 3. Visualisierung einer nachhaltigen Stadtquartier-Vision. Generiert mit Midjourney v6.1 am 12. Mai 2026. Prompt: “aerial view of a sustainable city district, solar panels, green roofs, cinematic lighting, photorealistic”. Prompt-Log siehe Anhang C.
Literaturverzeichnis
Midjourney. (2026). Midjourney (Version 6.1) [Text-to-image AI]. https://www.midjourney.com/
Wenn du im selben Kapitel mehrere Bilder mit demselben Tool generierst, referenzierst du das Tool einmal — und listest die Prompts kompakt im Anhang.
KI-Bilder in Chicago (Notes & Bibliography)
Chicago behandelt KI-Bilder wie persönliche Kommunikation oder unpublizierte Materialien: Sie erscheinen in der Fussnote und im Bildnachweis, nicht zwingend im Literaturverzeichnis.
Fussnote (erste Nennung)
¹ Bild generiert mit DALL·E 3 (OpenAI), Prompt: “watercolor illustration of a Swiss mountain village at dusk”, 12. Mai 2026.
Bildnachweis am Ende des Kapitels
Abb. 3: DALL·E 3 (OpenAI), 2026. Prompt-Details im Anhang.
Wenn dein Lehrstuhl nach Chicago Author-Date arbeitet, funktioniert die APA-nahe Form oben genauso.
KI-Bilder in Harvard
Harvard hat keine zentrale Autorität — jede Uni definiert leicht anders. Der gängige deutschsprachige Konsens (nach Cite Them Right / Anglia Ruskin 2024):
In-Text
(OpenAI 2026)
Literaturverzeichnis
OpenAI (2026) DALL·E 3 [KI-Bildgenerator]. Verfügbar unter: https://openai.com/dall-e-3 (Zugegriffen: 12. Mai 2026).
Prompt und Datum stehen wie bei APA in der Bildunterschrift.
Was gehört zwingend in die Bildunterschrift?
Unabhängig vom Stil solltest du sechs Angaben immer machen:
- Tool und Version. “Midjourney v6.1”, nicht nur “Midjourney”. Modelle ändern sich stark zwischen Versionen — ein v5-Bild sieht völlig anders aus als ein v6-Bild.
- Generierungsdatum. Mindestens Monat und Jahr, besser das Datum.
- Prompt (vollständig). Kurze Prompts direkt in der Bildunterschrift, lange im Anhang mit Querverweis.
- Nachbearbeitung. Wenn du das Bild in Photoshop retuschiert, freigestellt oder eingefärbt hast: kurz vermerken.
- Seed oder Job-ID (bei Midjourney/Stable Diffusion). Nice-to-have für Reproduzierbarkeit; einige Prüfungsordnungen verlangen es.
- Rechtekette. Bei Modellen mit unklarer Trainingsdaten-Herkunft (Stable Diffusion Basismodelle, Midjourney) ein kurzer Hinweis — mehr dazu unten.
Prompt-Log im Anhang
Für Arbeiten mit mehr als zwei bis drei KI-Bildern lohnt sich ein separater Anhang. Aufbau:
| Nr. | Abb.-Nr. | Tool + Version | Datum | Prompt | Seed / Job-ID | Nachbearbeitung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Abb. 3 | Midjourney v6.1 | 2026-05-12 | “aerial view of …” | 1234567890 | Zuschnitt in Photoshop |
| 2 | Abb. 7 | DALL·E 3 | 2026-05-14 | “watercolor illustration of …” | — | Keine |
Damit ist deine Arbeit für Betreuende und in der mündlichen Prüfung überprüfbar — sie könnten den Prompt in dasselbe Tool eingeben und schauen, ob ein ähnliches Bild entsteht. Genau das machen einige Lehrstühle inzwischen stichprobenartig.
Rechtliche Fallstricke — kurz
- Trainingsdaten-Streit. Midjourney und Stable Diffusion haben mit urheberrechtlich geschützten Bildern trainiert, ohne Lizenz. Laufende Verfahren in den USA und der EU sind noch nicht abgeschlossen. Für eine Bachelorarbeit im akademischen Rahmen ist das üblicherweise unproblematisch (Zitatschranke, Wissenschaftsprivileg), für eine spätere Publikation kann es zum Problem werden.
- Nutzungsbedingungen des Tools. Midjourney erlaubt kommerzielle Nutzung ab dem Basis-Abo, DALL·E ebenfalls, kostenlose Tools oft nicht. Für Abschlussarbeiten reicht in der Regel “persönlicher/wissenschaftlicher Gebrauch”.
- Personenrechte. Fotorealistische KI-Bilder erkennbarer echter Personen sind heikel — Persönlichkeitsrechte gelten auch bei generierten Darstellungen. Faustregel: Keine erkennbaren realen Personen ohne Einwilligung.
Das ersetzt keine Rechtsberatung, hilft aber, die häufigsten Stolpersteine zu umgehen.
Wann du besser kein KI-Bild einbaust
Nicht jeder Anlass rechtfertigt ein generiertes Bild. Verzichte, wenn:
- Das Bild deine Ergebnisse illustriert. Ein KI-Bild, das “aussieht wie” deine Umfrageergebnisse, ist ein Datenintegritätsproblem. Nutz Charts (Excel, R, Python) auf Basis der echten Daten.
- Es sich um Methodenschritte handelt. Prozessgrafiken, Flussdiagramme, Studiendesigns gehören in Draw.io, Lucidchart oder LaTeX — nicht in Midjourney. Reproduzierbarkeit geht vor Ästhetik.
- Der wissenschaftliche Mehrwert unklar ist. Ein Titelbild “weil schön” schwächt den Eindruck, den deine Arbeit macht. Betreuer:innen lesen das als Fokus-Signal — und selten als gutes.
- Dein Lehrstuhl KI-Bilder ausschliesst. Immer mehr Prüfungsordnungen tun das seit 2024/25 explizit. Checkliste vor der Arbeit: FAQ, Merkblatt Abschlussarbeit, Betreuenden-E-Mail.
Bessere Alternativen für die häufigsten Fälle
- Diagramme / Prozesse → Draw.io, Lucidchart, Mermaid (in LaTeX/Markdown), TikZ.
- Datenvisualisierung → matplotlib, ggplot2, Datawrapper, Excel (nicht sexy, aber korrekt).
- Illustration ohne Lizenzsorgen → Unsplash (CC0), Wikimedia Commons (CC-BY), NounProject (Icons), eigene Skizzen scannen.
- Fotorealistische Referenz → Foto machen. Klingt trivial, ist aber oft ehrlicher als ein KI-Rendering.
Checkliste vor der Abgabe
- Jedes KI-Bild ist in der Bildunterschrift als KI-generiert deklariert.
- Tool + Version, Datum und Prompt stehen entweder in der Bildunterschrift oder im Anhang.
- Prompt-Log im Anhang ist vollständig und mit Abb.-Nummern verknüpft.
- Rechtefragen (Personenrechte, Nutzungsbedingungen) sind bedacht.
- Die Eigenständigkeitserklärung ist um den KI-Bildnutzung ergänzt (falls die Vorlage das vorsieht).
- Es sind keine KI-Bilder eingebaut, wo eine echte Grafik / echtes Foto / echte Daten hingehören.
KI-Bilder sind ein Deklarationsthema, nicht ein Zitatthema
Der zentrale Unterschied zu Textzitaten: Bei einem Buchzitat prüft eine Zitatprüfung, ob die Aussage wirklich in der Quelle steht. Bei einem KI-Bild geht es nicht darum, was das Bild “aussagt” — es geht darum, dass die Herkunft ehrlich offengelegt ist. Ein KI-Bild ist ehrlich, wenn die Bildunterschrift dich als Prompter:in und das Tool als Generator sichtbar macht.
Das gilt spiegelbildlich für Text: Ein sauber formatierter Beleg ist noch nicht ehrlich, wenn die Quelle die Aussage nicht trägt oder gar nicht existiert. Genau dort setzt Acurio an — für den Text-Teil deiner Arbeit prüft es jeden Beleg inhaltlich gegen die Quelle. Für die Bilder bleibt die Deklaration deine Verantwortung; die Checkliste oben ist dein Werkzeug dafür.
KI-Bilder sind ein legitimes Mittel in Abschlussarbeiten, wenn sie transparent gemacht werden. Wer sich die zehn Minuten für ein Prompt-Log und drei Zeilen Bildunterschrift nimmt, hat weder in der Korrektur noch in der Verteidigung ein Problem. Wer sie versteckt, hat beides.