# Wissenschaftliche Datenbanken im Vergleich: Web of Science, Scopus & Google Scholar

> Web of Science, Scopus, Google Scholar im Vergleich: Welche Datenbank für welche Disziplin, wie du richtig suchst und woran du Qualität in den Treffern erkennst.

Acurio · 2026-06-22 · Recherche, Datenbanken, Bachelorarbeit

Wer eine Bachelor- oder Masterarbeit ernsthaft betreibt, beginnt selten in Google. Die drei grossen Recherche-Datenbanken — **Web of Science**, **Scopus** und **Google Scholar** — entscheiden mit darüber, welche Quellen du überhaupt findest, wie sauber dein Literaturüberblick wird und wie hoch der Anteil an Müll in deinem Zotero-Ordner ist. Dieser Vergleich zeigt dir, wann welche Datenbank wirklich besser ist und wie du die drei sinnvoll kombinierst.

## Die drei Grossen auf einen Blick

| Datenbank | Anbieter | Zugang | Stärke | Disziplin-Fokus |
| --- | --- | --- | --- | --- |
| Web of Science | Clarivate | Lizenz (Uni) | Hochkuratiert, JCR & JIF | STEM, klassisch |
| Scopus | Elsevier | Lizenz (Uni) | Breiteste Abdeckung | STEM + Sozialwiss. |
| Google Scholar | Google | Frei | Volltext-Indexierung | Alles, inkl. grauer Literatur |

Web of Science und Scopus sind **selektive**, kuratierte Datenbanken — eine Zeitschrift kommt nur rein, wenn sie definierte Qualitätskriterien erfüllt. Google Scholar ist eine **Suchmaschine** über praktisch alles, was im Web nach wissenschaftlicher Arbeit aussieht: Journals, Preprints, Repositorien, Konferenzbände, Dissertationen, Patente, manchmal auch Blogeinträge. Diese drei Modelle entscheiden, wo du was findest.

## Web of Science — die strenge Bibliothek

Die **Web of Science Core Collection** ist die älteste der drei, läuft seit den 1960er-Jahren und ist die Quelle für den **Journal Impact Factor (JIF)** und die Journal Citation Reports. Wenn deine Lehrstuhl-Vorgaben "nur peer-reviewed, in Web of Science indexiert" sagen — das ist der Grund.

**Stärken**

- Sehr strenge Aufnahmekriterien. Eine Zeitschrift muss regelmässig erscheinen, peer-reviewed sein, ein internationales Autor:innen-Profil haben.
- Zitationsanalyse erster Klasse: Cited Reference Search, Times Cited, Hirsch-Index für Autor:innen.
- Stabile, langjährige Backfiles — gut für historische bibliometrische Auswertungen.
- Eindeutige Autoren-IDs (ResearcherID, mittlerweile ORCID-verknüpft).

**Schwächen**

- Eher anglophon und STEM-lastig. Geistes- und Sozialwissenschaften, vor allem nicht-englische, sind unterrepräsentiert.
- Streng heisst auch: Du findest hier wenig graue Literatur, keine Preprints, kaum Konferenzbeiträge ausserhalb der grossen Reihen.
- Lizenzpflichtig — ohne Uni-Zugang siehst du nur Titel und Abstracts.

**Wann du es nimmst:** Naturwissenschaften, Medizin, Technik, Wirtschaftswissenschaften mit quantitativem Fokus. Immer dann, wenn du einen sauberen, klar zitierfähigen Trefferraum brauchst und die Zitationszahlen für deine Argumentation eine Rolle spielen.

## Scopus — der breiteste Index

**Scopus** ist Elsevier's Antwort auf Web of Science und seit 2004 am Start. Es indexiert mehr Zeitschriften als Web of Science (über 27 000 vs. ~22 000), ist breiter aufgestellt, und seine Aufnahmekriterien sind etwas durchlässiger — wobei die Qualitätsschwelle immer noch deutlich höher liegt als bei Google Scholar.

**Stärken**

- Grösste kuratierte Abdeckung, auch in Sozial- und Geisteswissenschaften besser als Web of Science.
- Gute Filter (Subject Area, Dokumenttyp, Sprache, Land).
- **SJR** (SCImago Journal Rank) und **CiteScore** als Qualitätsmetriken — Alternative zum JIF.
- Author Profiles mit Scopus-ID, Affiliation-Geschichte und h-Index.
- Solide API für systematische Reviews.

**Schwächen**

- Auch lizenzpflichtig.
- Weniger tiefe Backfiles als Web of Science — vor 1996 ist die Abdeckung schwächer.
- Bei kleinen oder neuen Zeitschriften aus dem deutschsprachigen Raum kann es Lücken geben.

**Wann du es nimmst:** Wenn du ein breites Themenfeld systematisch abdecken willst, vor allem in den Sozialwissenschaften, Public Health, Erziehungswissenschaft oder Pflege. Auch erste Wahl für systematische Literaturreviews.

## Google Scholar — die freie Volltext-Maschine

**Google Scholar** ist seit 2004 verfügbar, kostenlos, und indexiert alles, was Googles Crawler als wissenschaftlich erkennt. Das ist ein riesiger Pool — aber eben auch ungefiltert.

**Stärken**

- Maximale Reichweite: Du findest hier Dinge, die in Scopus und Web of Science nie auftauchen — graue Literatur, Preprints (arXiv, SSRN, bioRxiv), Working Papers, Dissertationen, Reports von NGOs und Behörden.
- Voll-Text-Suche, nicht nur Titel/Abstract — manchmal findet Scholar einen Treffer, weil dein Suchbegriff auf Seite 47 der PDF auftaucht.
- "Cited by" funktioniert ähnlich wie Web of Science, mit weniger Tiefe, aber breiterer Basis.
- Kein Login nötig, von überall erreichbar.

**Schwächen**

- Keine Qualitätskontrolle. Predatory Journals, abgeschriebene Hausarbeiten, alte Vorlesungs-PDFs — alles taucht im Ergebnisraum auf.
- Ranking-Algorithmus ist intransparent und nicht reproduzierbar. Heute findest du ein Paper auf Platz 3, morgen auf Platz 27.
- Suchsyntax viel schwächer als bei Web of Science oder Scopus. Boolesche Operatoren funktionieren, aber Filter wie "nur Reviews", "nur seit 2020", "nur deutsch" sind unscharf.
- Zitationszahlen werden ausgewiesen, aber sind doppelt gezählt oder geschätzt — nicht zitierfähig in Methodikteilen.

**Wann du es nimmst:** Für **schnelle Exploration**, wenn du noch nicht weisst, wie ein Feld sich nennt. Für **graue Literatur** (Berichte, Working Papers, Dissertationen). Für **Volltext-Treffer**, wenn du ein konkretes Zitat suchst, dessen Quelle du verloren hast. Für **freie Vorab-Versionen** (Preprints auf arXiv) eines Artikels, dessen Verlagsversion hinter Paywall liegt.

## Such-Strategie: die drei kombinieren

In der Praxis nutzt du nicht eine, sondern alle drei nacheinander. Eine sinnvolle Reihenfolge für eine Bachelorarbeit:

1. **Sondierung in Google Scholar.** Tippe dein Thema in normalen Worten ein, schau dir die ersten zwei Seiten an, notiere dir wiederkehrende Begriffe, Autor:innen-Namen, Schlüsselzeitschriften.
2. **Vokabular schärfen.** In Scopus oder Web of Science suchst du mit den nun bekannten **Schlagwörtern** (in Scopus heisst das "Author Keywords" und "Indexed Keywords"). Die Treffer sind höherwertig.
3. **Schneeball.** Aus den fünf besten Treffern: Lies die Referenzen ("Cited References" in Web of Science, "References" in Scopus). Wer wird wo zitiert?
4. **Cited-by-Kette.** Umgekehrt: Wer hat diese Schlüsselartikel später zitiert? Das findet aktuellere Folgearbeiten.
5. **Lücken füllen mit Scholar.** Wenn dir am Ende Dissertationen, Berichte oder graue Literatur fehlen, geh zurück zu Scholar.

Diese Choreografie spart dich vor dem typischen Fehler: Tagelang in Google Scholar wühlen, fünfzehn mittelmässige Treffer sammeln, und am Ende doch keinen Überblick haben.

## Zugang über die Uni: Shibboleth, VPN, EZproxy

Web of Science und Scopus kosten Geld — viel Geld. Wenn deine Uni eine Lizenz hat (was bei jeder Hochschule mit Forschungsbetrieb der Fall ist), nutze sie korrekt:

- **Auf dem Campus** mit Uni-WLAN bekommst du den Zugang direkt.
- **Von zu Hause** über VPN (z. B. Cisco AnyConnect) oder **Shibboleth** / SWITCH edu-ID (in der Schweiz). Beim ersten Login wählst du deine Heim-Uni aus.
- **EZproxy** ist eine ältere Variante, bei der ein URL-Präfix vor die Datenbankadresse gesetzt wird — meist hat die Unibibliothek dafür einen Bookmarklet-Generator.

Mit korrektem Zugang siehst du nicht nur Abstracts, sondern auch Volltexte über die "Open URL"-Verknüpfung deiner Bibliothek. Wenn das nicht funktioniert: Fernleihe bestellen, ist meist innerhalb von drei Tagen da.

## Disziplin-spezifische Datenbanken

Die drei Grossen sind generalistisch. Für viele Disziplinen gibt es bessere Fachdatenbanken:

- **Medizin, Pflege:** PubMed / MEDLINE (frei zugänglich), CINAHL, Cochrane Library für systematische Reviews.
- **Psychologie:** PsycINFO (APA), PSYNDEX (deutschsprachig).
- **Wirtschaft:** EconLit, Business Source Premier, RePEc.
- **Rechtswissenschaft:** Beck-online, Juris, Westlaw, HeinOnline.
- **Ingenieurwesen / Informatik:** IEEE Xplore, ACM Digital Library, INSPEC.
- **Geisteswissenschaften:** JSTOR, MLA International Bibliography, Project Muse.
- **Erziehungswissenschaft:** ERIC, FIS Bildung.
- **Naturwissenschaften:** SciFinder (Chemie), Web of Science Core Collection.

In der Methodik einer systematischen Literaturarbeit gehört eine ehrliche Auflistung deiner durchsuchten Datenbanken hinein. "Ich habe nur Google Scholar genutzt" ist methodisch angreifbar.

## Qualitätsfilter, die du immer setzen solltest

Egal in welcher Datenbank du landest — bevor du Ergebnisse sichtest, setze diese Filter:

- **Peer-reviewed only** (in Scopus: "Source type" → Journals; in Web of Science automatisch).
- **Sprache** (für deutsche Arbeiten oft `English OR German`).
- **Zeitraum**: meist letzte 10–15 Jahre, plus die Klassiker des Feldes davor.
- **Dokumenttyp**: Article + Review, keine Editorials, keine Letters (es sei denn, das ist dein Feld).
- **Open Access**, wenn du Volltext-Zugriff brauchst und kein Lizenz-Zugang da ist.

In Google Scholar fehlen diese Filter weitgehend — eine weitere Begründung, Scholar nur für die Sondierung zu verwenden.

## Von der Trefferliste in dein Zotero

Alle drei Datenbanken unterstützen **direkten Export** in Literaturverwaltungen. Klick in Scopus auf "Export → RIS" oder "Add to Mendeley/Zotero", in Web of Science auf "Export → Plain Text File / EndNote / RIS", in Google Scholar auf das kleine Anführungszeichen-Symbol unter jedem Treffer → "BibTeX" oder "RIS".

Eine **Browser-Erweiterung** (Zotero Connector, EndNote Capture) erkennt die meisten Trefferlisten automatisch und importiert mit einem Klick. Pflege gleich beim Import zwei Felder: einen **Tag fürs Thema** und einen **Tag fürs Stadium** ("gelesen", "Volltext", "in Arbeit"). Das spart dir später die Sucherei.

## Trefferqualität ist nur die halbe Miete

Eine sauber recherchierte Quelle ist nur die Grundlage. Was im fertigen Text steht — die Behauptung, die du an einer bestimmten Stelle einer Quelle festmachst — muss auch tatsächlich dort stehen. Genau hier passieren in Abschlussarbeiten die häufigsten Fehler: Die Quelle ist seriös, die Zitierweise korrekt, aber die zugeschriebene Aussage steht so nicht im Original.

Hier setzt [Acurio](https://acurio.ch/) an: Du lädst deine Arbeit hoch und die zugehörigen PDFs aus deinem Zotero, und Acurio prüft Beleg für Beleg, ob die Aussage in der Quelle tatsächlich vorkommt — inkl. Seitenangabe. Web of Science und Scopus sagen dir, was zitierfähig ist. Acurio sagt dir, ob deine Zitate stimmen.

## Kurz-Checkliste vor der ersten Recherche-Session

- Welche Datenbanken hat meine Uni lizensiert? (Bibliothekswebsite oder Auskunftstheke.)
- Habe ich VPN / Shibboleth eingerichtet?
- Welche Fachdatenbank ist für mein Thema die richtige?
- Habe ich Zotero Connector im Browser installiert?
- Halte ich meine Suchstrings in einer Tabelle fest (für die Methodik im Reviewteil)?

Damit fängst du die nächste Recherche an, ohne dich in der ersten Google-Scholar-Seite zu verlieren — und mit einem klaren Bild, welche Datenbank dir an welchem Punkt am meisten bringt.


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Source: https://acurio.ch/blog/wissenschaftliche-datenbanken-vergleich
