# Peer Review erkennen — so prüfst du, ob eine Quelle wirklich begutachtet wurde

> Nicht jede Quelle mit DOI oder Journal-Namen ist peer-reviewed. Diese Anleitung zeigt dir Schritt für Schritt, wie du in Sekunden prüfst, ob ein Paper wirklich begutachtet wurde.

Acurio · 2026-07-30 · aktualisiert 2026-08-07 · Peer Review, Quellenkritik, Bachelorarbeit

"Ist das peer-reviewed?" ist eine der häufigsten Fragen in der Betreuung von Abschlussarbeiten — und eine der am schlechtesten beantworteten. Viele Studierende gehen davon aus, dass alles, was eine DOI hat oder in Google Scholar auftaucht, automatisch begutachtet ist. Beides stimmt nicht. Diese Anleitung zeigt dir, wie du eine Quelle innerhalb von zwei Minuten korrekt einordnest — bevor du sie in deine Bibliografie aufnimmst.

## Was Peer Review eigentlich ist (und was nicht)

**Peer Review** heisst: Ein Manuskript wird vor der Veröffentlichung von mindestens zwei unabhängigen Fachwissenschaftler:innen aus derselben Disziplin gelesen, kritisiert und mit einer Empfehlung an die Herausgeber:innen versehen — annehmen, überarbeiten oder ablehnen. In der Regel läuft der Prozess **doppelt blind**: Reviewer kennen die Autor:innen nicht, Autor:innen kennen die Reviewer nicht.

Wichtig ist, was dabei **nicht** als Peer Review zählt:

- Ein Lektorat des Verlags (Rechtschreibung, Layout) ist kein Peer Review.
- Redaktionelle Freigabe durch die Herausgeber:innen allein ist kein Peer Review.
- Ein Kommentar-System nach der Veröffentlichung (Post-Publication Review) zählt in den meisten Disziplinen nicht als klassisches Peer Review.
- Konferenzabstracts sind selten peer-reviewed; volle Konferenzbeiträge (Full Papers) oft schon.

Für deine Abschlussarbeit ist die Unterscheidung relevant, weil viele Hochschulen in ihren Leitfäden explizit "peer-reviewed Quellen bevorzugen" oder sogar einen Mindestanteil vorschreiben.

## Warum die Frage in 2026 komplizierter ist

Vor zehn Jahren war Peer Review eine binäre Sache: Journal ja oder nein. Heute existieren fünf Publikationsformen parallel, und in jeder gibt es peer-reviewte und nicht peer-reviewte Inhalte:

1. **Klassische Fachzeitschriften** (Journals) — Standard-Peer-Review.
2. **Konferenzbände** — je nach Disziplin unterschiedlich streng; in der Informatik oft strenger als Journals.
3. **Preprint-Server** (arXiv, bioRxiv, SSRN, medRxiv) — **nicht** peer-reviewed. Autor:innen laden Manuskripte selbst hoch.
4. **Working Papers** von Instituten (NBER, CEPR, IZA) — meist ohne externes Review, oft aber intern begutachtet.
5. **Open-Access-Megajournals** (PLoS ONE, Scientific Reports) — peer-reviewed, aber mit tieferem Anspruch an "Novelty".

Dazu kommt: Predatory Journals behaupten Peer Review, führen aber keins durch. Und einige seriöse Zeitschriften haben Editorials oder Leserbriefe, die neben peer-reviewten Artikeln erscheinen — ohne selbst begutachtet zu sein.

## Die Sieben-Schritte-Prüfung

Geh für jede zweifelhafte Quelle diese sieben Punkte durch. Zwei Minuten pro Quelle reichen.

### 1. Typ des Beitrags im Volltext prüfen

Öffne den Volltext (nicht den Abstract) und suche nach dem Beitragstyp im Kopf des Artikels. Seriöse Journals kennzeichnen ihn eindeutig:

- **Original Article / Research Article / Original Paper** — peer-reviewed.
- **Review Article / Systematic Review / Meta-Analysis** — peer-reviewed.
- **Editorial / Commentary / Letter to the Editor / Opinion / Perspective** — meistens **nicht** peer-reviewed.
- **Book Review / News / Correspondence** — **nicht** peer-reviewed.
- **Erratum / Corrigendum** — kein eigenständiger Beitrag.

Steht der Typ nicht dabei, ist das schon ein leichtes Warnsignal.

### 2. Ulrichsweb prüfen

**Ulrichsweb** (`ulrichsweb.com`) ist die grösste Datenbank für Publikationsmerkmale von Zeitschriften. Sie hat ein spezielles Symbol für "Refereed / Peer-Reviewed" (ein gestreifter Schiedsrichterball). Wenn dein Journal dort das Symbol trägt, ist es strukturell auf Peer Review ausgelegt. Ulrichsweb sagt aber nichts über den konkreten Beitrag aus — Editorials in einem peer-reviewten Journal sind trotzdem nicht peer-reviewed.

Zugang: meistens über die Hochschulbibliothek.

### 3. Website des Journals — "Instructions for Authors"

Jedes seriöse Journal hat eine Seite "Instructions for Authors" oder "Author Guidelines". Sucht dort nach dem Abschnitt "Peer Review Process" oder "Editorial Policy". Klare Aussagen wie "double-blind peer review by at least two independent reviewers" sind ein gutes Zeichen. Vage Formulierungen ("editorial review") oder fehlende Informationen sind ein Warnsignal.

### 4. DOAJ-Eintrag prüfen (bei Open Access)

Für Open-Access-Journals: Suche das Journal in `doaj.org`. Der DOAJ-Eintrag listet explizit, ob und wie Peer Review stattfindet. Ist das Journal nicht in DOAJ, obwohl es Open Access ist, ist das ein zusätzliches Warnsignal (siehe auch [Predatory Journals erkennen](https://acurio.ch/blog/predatory-journals-erkennen)).

### 5. Indexierung in Scopus oder Web of Science

**Scopus** und **Web of Science Core Collection** nehmen Journals nur nach Qualitätsprüfung auf. Eine Indexierung ist kein Garantieschein für Peer Review jedes einzelnen Artikels, aber ein starker Hinweis auf strukturelle Seriosität. Prüfe direkt auf `scopus.com` (Journal Finder) oder `mjl.clarivate.com` (Master Journal List).

### 6. Publikationsversion identifizieren

Ein häufiger Fehler: Du hast ein Preprint in der Hand, glaubst aber, es sei die Zeitschriftenversion. Achte auf:

- **arxiv.org**, **biorxiv.org**, **ssrn.com**, **researchgate.net**, **preprints.org** — nahezu immer **Preprints**. Nicht peer-reviewed.
- **Author Manuscript / Accepted Manuscript** — Manuskriptversion vor dem finalen Layout. Der Inhalt ist nach dem Peer Review, aber vor der Verlagsproduktion. Zitierbar, aber die finale Version (Version of Record) ist vorzuziehen.
- **Version of Record (VoR)** — die endgültige, gesetzte und im Journal erschienene Fassung. Zitiere diese wenn möglich.

Prüfe die URL, das Wasserzeichen und die Header-Zeile jeder PDF.

### 7. Bei Konferenzbeiträgen: Programm-Komitee statt Journal

Bei Beiträgen aus Konferenzbänden (Proceedings) läuft die Prüfung anders: Suche im Konferenz-Programm nach dem Programm-Komitee (Program Committee, PC) und der Beschreibung des Review-Prozesses. Manche Konferenzen (z. B. NeurIPS, CHI, ACL) haben ein strengeres Review als viele Journals. Andere akzeptieren fast alles, was eingereicht wird. Faustregel: Wenn die Konferenz eine Annahmequote unter 40 % nennt, ist das Peer Review real.

## Grauzonen — die häufigsten Verwechslungen

Drei Fälle tauchen in fast jeder Betreuungssitzung auf.

### DOI ist kein Peer-Review-Zeichen

Eine **DOI (Digital Object Identifier)** ist eine Kennung für digitale Objekte. Preprint-Server, Universitätsrepositorien und Datensätze vergeben DOIs, ohne dass irgendein Review stattfindet. Eine DOI beweist nur, dass das Objekt archiviert und zitierbar ist — nicht mehr.

### "In peer review" oder "under review" heisst NICHT peer-reviewed

Wenn ein Manuskript den Status "under review" hat, ist es *im* Review-Prozess, aber noch nicht angenommen. Zitiere solche Arbeiten nur mit dem Zusatz "unveröffentlicht" oder "im Review-Prozess" — und nur, wenn du keine bessere Quelle findest.

### Google Scholar sagt nichts über Peer Review

Google Scholar indiziert alles, was wissenschaftlich aussieht: Preprints, Working Papers, Diplomarbeiten, Kongressabstracts, Predatory-Journal-Artikel. Ein Treffer in Scholar heisst nur "gefunden", nicht "geprüft". Nutze Scholar zum Finden, nicht zum Bewerten.

## Was du bei nicht-peer-reviewten Quellen tun kannst

Nicht jede unbegutachtete Quelle ist wertlos — im Gegenteil, in manchen Feldern (Volkswirtschaft, Informatik, Physik) sind Working Papers und Preprints Standard. Drei Regeln machen sie zitierbar:

1. **Kennzeichne den Typ.** Schreibe im Text oder in der Fussnote "Preprint" oder "Working Paper", damit klar wird, dass die Quelle nicht durch Peer Review gegangen ist.
2. **Prüfe, ob es eine Journalversion gibt.** Preprint-Server verlinken die endgültige Version, sobald sie erscheint. Ist eine Journalversion verfügbar, zitiere sie statt des Preprints.
3. **Verwende sie nicht für zentrale Behauptungen.** Für Nebenaussagen und den Stand der Forschung sind Preprints okay. Für die zentralen Thesen deiner Arbeit brauchst du peer-reviewte Belege.

## Peer Review hin oder her — zählt, was du daraus machst

Peer Review beantwortet genau eine Frage: Haben unabhängige Fachleute das Paper für methodisch tragfähig befunden? Was Peer Review nicht sagt: ob die Aussage, die du aus dem Paper zitierst, tatsächlich darin steht.

Drei Beobachtungen aus der Praxis:

- **Zurückgezogene Paper werden weiter zitiert.** Retraktionsstudien zeigen immer wieder, dass retractierte Artikel jahrelang weiter zitiert werden — als wären sie noch gültig. Das Peer Review ist abgeschlossen, das Ergebnis trotzdem weg.
- **Auch unangefochtene Paper werden falsch zitiert.** Die Seitenzahl passt nicht, die Aussage stammt aus dem Diskussionsteil eines anderen Papers, oder eine vorsichtig formulierte Beobachtung wird zur bewiesenen Tatsache aufgeblasen.
- **Und umgekehrt:** Das stärkste, sauber begutachtete Paper hilft dir nichts, wenn du daraus etwas behauptest, das es nicht stützt.

Peer-Review-Status ist also eine notwendige, aber keine hinreichende Prüfung. Das Journal-Prestige sagt etwas über die Herkunft der Quelle — nichts über die Richtigkeit deiner Verwendung.

### So prüfst du den zweiten Schritt automatisch

[Acurio](https://acurio.ch/) macht genau diesen Check: Statt zu fragen, wo ein Paper erschienen ist, vergleicht es jede Behauptung in deinem Dokument mit der tatsächlich zitierten Quelle.

1. **Dokument hochladen** — deine Arbeit inklusive Literaturverzeichnis, ohne Vorbereitung.
2. **Automatische Prüfung** — für jedes Zitat wird geprüft: Existiert die Quelle? Stützt sie die Aussage? Stimmt die Seitenzahl?
3. **Befundliste pro Zitat** — du bekommst pro Zitat ein Ergebnis und kannst gezielt nacharbeiten, statt die ganze Bibliografie von Hand durchzugehen.

Wichtig ist, was Acurio nicht tut: Es bewertet nicht die Qualität der Quelle selbst, ersetzt weder deine eigene Lektüre noch das Urteil deiner Betreuung — und es prüft nicht, ob ein Journal peer-reviewed ist. Das bleibt deine Aufgabe, mit den sieben Schritten von oben.

Wenn du vorher nur dein Literaturverzeichnis grob testen willst, geht das ohne Upload und ohne Anmeldung im [Quick Check](https://app.acurio.ch/quick-check?utm_source=blog&utm_medium=article_link&utm_campaign=peer-review-erkennen): Bibliografie einfügen, prüfen lassen, fertig.

## Fazit: Zwei Minuten Prüfung, viel weniger Ärger

Peer Review zu prüfen ist keine Bibliothekarsarbeit — es sind zwei Minuten pro Quelle, wenn du weisst, wo du hinschauen musst. In Reihenfolge:

1. Beitragstyp im Volltext (Article? Editorial?).
2. Ulrichsweb oder DOAJ für das Journal.
3. "Instructions for Authors" für den konkreten Prozess.
4. Publikationsversion (Preprint? Version of Record?).

Baue diese Prüfung als Routine in dein Literaturverwaltungs-Setup ein — in Zotero etwa als eigener Tag "peer-reviewed geprüft". Am Ende der Arbeit weisst du dann für jede einzelne Quelle, was du zitierst und warum.

Den zweiten Qualitäts-Check — ob deine Zitate inhaltlich von den Quellen gestützt werden — kennst du aus dem Abschnitt oben. Peer Review und Zitatprüfung sind zwei verschiedene Qualitätsgates — beide zusammen geben dir die Sicherheit, dass deine Bibliografie den Blick der Erstgutachter:innen aushält.


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Source: https://acurio.ch/blog/peer-review-erkennen
