# Harvard-Zitierweise — Regeln und Beispiele für deine Arbeit

> Die Harvard-Zitierweise ist keine fixe Norm, sondern eine Familie von Autor-Jahr-Stilen. Hier sind Regeln, Beispiele und Fallstricke für deine Arbeit.

Acurio · 2026-05-12 · Harvard, Zitieren, Bachelorarbeit

Die Harvard-Zitierweise ist kein einzelner, fest definierter Stil, sondern eine ganze Familie von Autor-Jahr-Stilen. Jeder Lehrstuhl, jede Hochschule und manchmal jede Dozentin handhaben Details leicht anders — Klammerform, Seitenangabe, et-al-Schwelle. Dieser Beitrag zeigt dir das Grundprinzip, die wichtigsten Varianten und konkrete Beispiele für Quellenverzeichnis und Belege im Text.

## Das Grundprinzip von Harvard zitieren

Im Text steht ein **Kurzbeleg** in der Form `(Autor Jahr, S. X)`. Im **Quellenverzeichnis** am Ende deiner Arbeit findest du dann die vollständige Angabe. Das ist das ganze Geheimnis — alles andere sind Variationen über dieses Muster.

Beispiel im Fliesstext:

> Die soziale Frage des 19. Jahrhunderts war primär eine Frage urbaner Räume (Müller 2023, S. 42).

Eintrag im Quellenverzeichnis:

> Müller, Anna (2023): Stadt und soziale Frage. Eine Geschichte. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Das war's. Die folgenden Abschnitte zeigen, wie du diese Grundform auf die Realität von Quellen anwendest.

## Direkte vs. indirekte Zitate

Ein **direktes (wörtliches) Zitat** übernimmst du Wort für Wort und setzt es in Anführungszeichen:

> "Die soziale Frage war eine Frage der Stadt" (Müller 2023, S. 42).

Ein **indirektes (sinngemässes) Zitat** gibt den Gedanken in eigenen Worten wieder. Bei vielen Lehrstühlen ist hier ein **vgl.** (vergleiche) vor dem Beleg Pflicht:

> Die soziale Frage des 19. Jahrhunderts war vor allem ein urbanes Phänomen (vgl. Müller 2023, S. 42).

Es gibt auch Lehrstühle, die das `vgl.` nicht verlangen — du musst hier ins Merkblatt deines Lehrstuhls schauen.

## Kurze Belege und Blockzitate

Kurze wörtliche Zitate (bis ca. drei Zeilen) laufen im Fliesstext mit. Längere wörtliche Zitate (oft ab 40 Wörtern oder vier Zeilen) setzt du als **Blockzitat** ab — eingerückt, ohne Anführungszeichen, meist in kleinerer Schrift und mit einzeiligem Zeilenabstand:

> Die zentrale These dieser Arbeit lautet, dass die soziale Frage in ihrer Schärfe ein Produkt urbaner Verdichtung war — nicht nur in den Metropolen, sondern auch in mittelgrossen Industriestädten. (Müller 2023, S. 42)

Auslassungen markierst du mit `[...]`, eigene Einfügungen (etwa zur Klärung von Bezügen) mit `[eckigen Klammern]`.

## Mehrere Autor:innen

- **Eine Person:** `(Müller 2023, S. 42)`
- **Zwei Personen:** `(Müller und Weber 2023, S. 17)` oder mit Schrägstrich `(Müller/Weber 2023, S. 17)`
- **Drei oder mehr Personen:** entweder `et al.` oder die deutsche Form `u.a.`: `(Müller et al. 2023, S. 17)` bzw. `(Müller u.a. 2023, S. 17)`

Die Schwelle, ab der `et al.` greift, ist nicht überall gleich: manche Lehrstühle nutzen es ab drei Autor:innen, andere erst ab vier. Im Quellenverzeichnis nennst du in der Regel **alle** Namen, auch wenn du im Text mit `et al.` kürzt.

## Werke ohne Autor, ohne Jahr, mit gleichem Jahr

**Werke ohne Autor:in** belegst du über die Körperschaft oder die Herausgeber:innen:

> (Bundesamt für Statistik 2022, S. 8)
> (Hrsg.: Deutscher Bundestag 2021, S. 4)

**Werke ohne Jahresangabe** kennzeichnest du mit `o.J.` (ohne Jahr):

> (Schmidt o.J., S. 12)

**Mehrere Werke desselben Autors im selben Jahr** unterscheidest du mit Kleinbuchstaben:

> (Müller 2023a, S. 42)
> (Müller 2023b, S. 5)

Im Quellenverzeichnis tauchen dann zwei separate Einträge auf — `Müller 2023a` und `Müller 2023b` — in der Reihenfolge, in der du sie im Text zum ersten Mal verwendest.

## Sekundärzitate

Du willst etwas zitieren, kommst aber an die Originalquelle nicht heran und übernimmst die Stelle aus einem zweiten Werk? Dann ist es ein **Sekundärzitat**. Kennzeichne das immer mit **zit. nach**:

> (Weber 1922, S. 100, zit. nach Müller 2023, S. 42)

Ins Quellenverzeichnis kommt in diesem Fall die Quelle, die du tatsächlich in der Hand hattest (also Müller 2023). Wichtig: Sekundärzitate sind in Bachelor- und Masterarbeiten nur in Ausnahmefällen akzeptabel. Lehrstühle sehen sie als Hinweis darauf, dass nicht im Original gelesen wurde.

## Typische Variantenpunkte zwischen Lehrstühlen

Genau weil "Harvard" eine Familie ist, lohnt sich ein Blick auf die Punkte, an denen sich Lehrstühle unterscheiden:

| Punkt | Variante A | Variante B |
| --- | --- | --- |
| Klammerform | runde Klammern `(Müller 2023, S. 42)` | eckige Klammern `[Müller 2023: 42]` |
| Trennzeichen vor Seitenzahl | `, S. 42` | `: 42` |
| `vgl.` bei sinngemässen Zitaten | Pflicht | optional / unüblich |
| et-al-Schwelle | ab 3 Autor:innen | ab 4 Autor:innen |
| Mehrere Autor:innen | `Müller und Weber` | `Müller/Weber` oder `Müller & Weber` |
| Jahr im Quellenverzeichnis | direkt nach Name `Müller, A. (2023)` | am Ende `Müller, A.: Titel. Verlag, 2023` |

**Warnung:** Prüf das Merkblatt deines Lehrstuhls, *bevor* du die ersten 50 Zitate setzt. Stilwechsel später kosten dich pro Variante mindestens eine Stunde Sichtprüfung — bei der Bibliografie sogar deutlich mehr.

## Quellenverzeichnis: die wichtigsten Eintragsformen

Die folgenden Beispiele zeigen eine gängige Harvard-Variante. Pass die Details (Klammern, Punkte vs. Kommas) an dein Merkblatt an.

### Monographie

> Müller, Anna (2023): Stadt und soziale Frage. Eine Geschichte. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

### Beitrag in einem Sammelband

> Weber, Peter (2021): Industrialisierung und Wohnungsnot. In: Schmidt, Hans (Hrsg.): Handbuch Sozialgeschichte. Stuttgart: Metzler, S. 88–112.

### Zeitschriftenartikel mit DOI

> Keller, Sabine; Roth, Daniel (2022): Urban density and social conflict. In: Journal of Urban History, Jg. 48, Nr. 3, S. 415–438. DOI: 10.1177/00961442211012345.

### Internetquelle mit Abrufdatum

> Bundesamt für Statistik (2024): Bevölkerung der Schweiz 2023. Online verfügbar unter https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/bevoelkerung.html, zuletzt abgerufen am 03.05.2026.

### Hochschulschrift (Dissertation)

> Brunner, Lisa (2020): Urbane Verdichtung im 19. Jahrhundert. Dissertation, Universität Zürich.

### Gesetz oder Urteil

> Schweizerisches Obligationenrecht (OR) vom 30. März 1911 (Stand am 1. Januar 2024). SR 220.
> BGE 140 III 134, Urteil vom 19. März 2014.

## Sechs Mini-Beispiele zum Mitnehmen

1. Direktes Zitat, eine Autorin: `"Die Stadt ist Schauplatz" (Müller 2023, S. 42).`
2. Indirektes Zitat mit `vgl.`: `Die Stadt war Hauptschauplatz der sozialen Frage (vgl. Müller 2023, S. 42).`
3. Zwei Autor:innen: `(Keller und Roth 2022, S. 420)`
4. Drei Autor:innen mit `u.a.`: `(Schneider u.a. 2021, S. 7)`
5. Sekundärzitat: `(Weber 1922, S. 100, zit. nach Müller 2023, S. 42)`
6. Internetquelle ohne Jahr: `(Bundesamt für Statistik o.J.)`

## Harvard-Zitierweise sauber durchziehen

Wenn du Harvard zitieren willst, ohne in der Endphase deiner Arbeit das halbe Quellenverzeichnis nochmal umzubauen, halte dich an drei Regeln:

1. **Merkblatt zuerst.** Lehrstuhl-Vorgabe drucken, durchlesen, daneben legen — bevor du das erste Zitat setzt.
2. **Ein Tool, eine Stilvorlage.** Zotero, Citavi oder Mendeley mit dem passenden Harvard-Stil. Manuelles Tippen der Klammern führt nach hundert Zitaten zwangsläufig zu Inkonsistenzen.
3. **Inhalt prüfen, nicht nur Form.** Ein perfekt nach Harvard formatierter Beleg ist wertlos, wenn die zitierte Aussage so nie in der Quelle steht.

Genau dort setzt [Acurio](https://acurio.ch/) an. Die Harvard-Zitierweise regelt die **Form** deiner Belege — Klammern, Reihenfolge, Seitenangabe. Acurio prüft die **inhaltliche Passung**: liest jedes Zitat in deiner Arbeit mit, gleicht es gegen das hochgeladene Quell-PDF ab und meldet zurück, ob deine Aussage zur Quelle wirklich passt. Form macht der Stil. Inhalt prüft Acurio.

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Harvard ist flexibel, weil es eine Familie ist, nicht ein einzelner Stil. Diese Flexibilität ist Vorteil und Falle zugleich: Du kannst dich an deinen Lehrstuhl anpassen — musst es aber auch. Wer einmal sauber eingerichtet hat, was sein Lehrstuhl will, schreibt den Rest der Arbeit ohne Zitationsstress.


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Source: https://acurio.ch/blog/harvard-zitierweise
